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Passion: Jesus beobachten und Sinn finden

 

Eine Passion auf die Bühne zu bringen ist eine Herausforderung. Nicht nur, weil es darum geht, einen bekannten Inhalt spannend darzustellen: Regisseur Diethmar Straßer erzählt, was für ihn hinter der Passion steckt.

 

„Mein Leben ist für mich eine Art Passion. Das ist nicht als Leidensgeschichte zu verstehen. Es ist ein ewiges Suchen. Ein Suchen nach dem Sinn des Lebens“, denkt Diethmar Straßer, der 2016 zum dritten Mal die Passionsspiele in Thiersee inszeniert. Deswegen stellt er heuer viele Fragen an den Anfang des Passionsspiels: Wie soll ich leben? Was ist danach? Gibt es einen Gott? Welcher Glaubensgemeinschaft gehört er an?

Über viele Jahre setzte er sich intensiv mit dem Leben und Sterben Jesu auseinander, überarbeitete den Passionstext mehrmals und brachte neue Szenen ein: „Einerseits bin ich fasziniert von dem Menschen Jesus und dem, was von ihm überliefert ist. Gleichzeitig habe ich eine innere kritische Distanz zu den Lehren, natürlich auch in der Reflexion durch den Kirchenapparat. Als Regisseur will ich jedenfalls die Geschichte unpathetisch und spannend erzählen“, so Straßer.

 

Jesus genau beobachten

Die Passion 2016 steht unter dem Motto „Unter Beobachtung“. Straßers Auftrag an Spieler und Zuschauer ist, mit kritischen Augen und wachen Ohren die Geschichte Jesu zu beobachten. Seine Interpretation zeigt, dass Würde der Maßstab eines gleichberechtigten Zusammenlebens ist, Nächstenliebe und damit Hilfsbereitschaft unsere Pflicht sind und Fremdenfeindlichkeit mit den Worten Jesu nicht vereinbar ist. Deswegen sieht er Jesus als wichtiges Vorbild. „Bei vielen Themen, wie der Nächstenliebe, habe ich mich gefragt, was man eigentlich drunter versteht und ob das wirklich ein christlicher oder einfach ein zutiefst menschlicher Gedanke ist.“ Solche Antworten gibt die Passion in Thiersee: „Ich sehe unser Passionsspiel nicht als Jesusspektakel, sondern als Gedankenveranstaltung. Natürlich wollen wir ein überzeugendes Spiel bieten. Aber letztlich geht es darum, was Jesus gesagt hat.“

 

Einzigartige Gemeinschaft

Was die Passion für die Mitwirkenden und ganz Thiersee bedeutet, ist „ein eigenes Geheimnis“, weiß Straßer, dessen Beziehung zum Passionsspielort über Jahre gewachsen ist: „Die Tradition geht auf einen Schwur zurück, um von kriegerischen Gräueltaten verschont zu bleiben. Eigentlich längst kalter Kaffee. Aber im Dorf weht ein Geist durch die meisten Stuben, der diese Tradition aufrechthält. Er lässt die Mitwirkenden viel Freizeit opfern, um die Passion immer wieder mit unglaublicher Spiellust auf die Beine zu stellen. Für mich als Außenstehenden ist es ein unfassbares Erlebnis, Teil dieser Spielgemeinschaft zu sein, die in den Proben und Vorstellungen wächst.“

 
 
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