Eine ewig aktuelle und berührende Geschichte – Passionsspiele Thiersee 2011

Nach sechs Jahren Spielpause und über 50 Probeeinheiten der über 250 Darsteller und Musiker bringen die Thiersee in diesem Sommer wieder ihre traditionsreichen Passionsspiele auf die Bühne. Die Leidenschaft der Mitwirkenden und die Reaktionen des Publikums zeigen: Die Geschichte vom Leben und Leiden Jesu Christi fasziniert auch noch nach über 2.000 Jahren.

„Passionsspiele sind in erster Linie immer Orte der Suche, der Suche nach einer Antwort auf die Frage nach dem Sinn unseres Lebens. Wir erleben das Geheimnis einer Erlösung mit. Die Geschichte Jesu fasziniert die Menschen immer wieder, weil sie eben spüren, dass es hier um ihr eigenes Schicksal, ihr Leben geht,“ umreißt Regisseur Diethmar Straßer die Beweggründe tausender Menschen, die alle sechs Jahre stattfindenden Passionsspiele Thiersee zu besuchen.

Leidenschaftliche Darbietung

Zudem spürt man die Leidenschaft, mit der die Laiendarsteller und –darstellerinnen das Passionsspiel darbieten, regelrecht auf die Zuschauer übergreifen. Seit über 200 Jahren opfern die Thierseer ganze Sommer lang ihre gesamte Freizeit dem Passionsspiel und folgen damit einem Gelöbnis aus 1799, das sie vor drohender Kriegsnot bewahren sollte. Die viel besagte „Gelebte Tradition“ wird im Thierseetal in den Passionsspieljahren nahezu plastisch greifbar.

Überzeugender Judas

Wenngleich die Passionsgeschichte den Zuschauern bestens bekannt ist, bietet die Inszenierung der Spiele doch eine Vielzahl an ewig aktuellen Bezügen und neue Anreize zum Nachdenken. So drängt sich etwa mit der für die Passionsspiele 2011 überarbeiteten Rolle des Judas die Frage auf, inwiefern dessen Stigmatisierung als Verräter überdacht und sein Handeln neu interpretiert werden kann. Judas, erstmalig dargestellt von Klaus Mairhofer, kann aus heutiger Sicht auch als politischer Mensch betrachtet werden, der mit seinem Handeln eine Revolution auslösen wollte.

Widerspiel von Gut und Böse

Auch Satan, sehr überzeugend von Josef Fuchs dargestellt, regt die Zuschauer zum Nachdenken an: Den Versuchungen und Zweifeln, mit denen er Jesus herausfordert, müssen auch wir uns stellen. Das sanfte Wesen des Premieren-Jesus Martin Sieberer und die Ausdrucksstärke seines Gegenspielers spiegeln das Gute und das Böse, das auch in jedem von uns wohnt, wider. Wie schon 2005 gibt es auch bei den Thierseer Passionsspielen 2011 zwei Jesus-Darsteller: Martin Sieberer und Josef Graßhoff mimen abwechselnd den Heiland.

Glauben ohne zu sehen

Die über allem stehende Botschaft der diesjährigen Passion wird mit dem Schlussbild klar: „Wir bringen den auferstandenen Jesus nicht mehr auf die Bühne. Das Publikum soll mit dem Bewusstsein, dass Glauben ohne zu sehen möglich ist, aus dem Passionsspiel hinausgehen“, erläutert Regisseur Diethmar Straßer. Bis Anfang Oktober finden an allen Wochenenden Aufführungen der Passionsspiele Thiersee statt. Am 5. und 12. August gibt es außerdem Abendaufführungen (Beginn 19 Uhr). Nähere Informationen und Reservierungsmöglichkeiten erhalte Sie hier.

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